Unmut im Zirkus. Ein Tier möchte ausbrechen, doch welches? Diese Gemeinschafts-Geschichte entstand im Projekt „Wort und Bild gehen Hand in Hand“.

Ich fühle mich hier nicht wohl. Ich gebe fast jeden Tag Shows, in der die Menschen auf meinem Rücken herumtrampeln. Sie lassen mich die ganze Zeit im Kreis herum rennen und wenn ich mal stehen bleibe, um Luft zu holen, schlagen sie mich mit der Peitsche. Gestern gab es große Aufregung unter den Tieren, anscheinend will ein Tier ausbrechen, doch niemand weiß welches. Ich glaube ja, dass es der Elefant ist. Er guckt in letzter Zeit immer so traurig. Wie oft habe ich schon darüber nachgedacht einfach über die Koppel zu springen. …………Doch das würde ich mich nicht trauen.  (Text und Bild Ella)

Oh, die Show fängt gleich an. Ich werde dann erst mal durch die Manege watscheln und springe dann in ein großes Becken. Ich soll durch einen roten Reifen durchtauchen und fünf Kreise schwimmen. Doch ich will nicht und weigere mich. Immer wenn das passiert, schütten die Menschen Öl in das Becken. Das mag ich nicht. Also schwimme ich lieber. Das ist Tierquälerei. Ich halte das nicht mehr aus! Doch die Leute werden jubeln… Nun schwimme ich los und …. AUA! Ich knalle mit dem Kopf gegen die durchsichtige Scheibe.  Wann bin ich endlich am Südpol! (Text und Bild Antonie)

Mist. Ich zerbreche mir meinen Kopf, warum der Tiger ausbrechen möchte. Ich verdächtige ihn. Ich hätte Angst, wenn er es tun würde. Er könnte mich sofort zerfleischen, das will ich nicht! Was ist, wenn er mir meinen Ringelschwanz abbeißt? Mir läuft eine Schauer über den Rücken. Gut, dass er hinter Gittern steckt.  (Text und Bild Rose)



Ich liebe den Zirkus. Ok, das Essen ist nicht das beste, aber das Publikum liebt mich abgöttisch und jubelt, wenn ich meine Mähne schüttele oder brüllend durch den Reifen springe.  Ich bin hier der King, meine Nummer ist der Höhepunkt der Show. Ich verstehe gar nicht, dass meine Untertanen jammern und immer davon faseln, abhauen wollen. Ich hab den Pinguin in Verdacht, er wirkt so unscheinbar, aber nur scheinbar…….. (Text und Bild Eulenkind)

Langsam öffne ich meine Augen, es ist noch dunkel draußen und ein kalter Wind weht durch die Gitterstäbe meines Geheges. Zeit zum Aufstehen: Ich setze mich auf und schiebe mich wie jeden Morgen schwerfällig im Käfig hin und her.  

Viel Platz ist hier nicht, ich fühle mich gefangen in meinem eigenen Zuhause. Ich sehne mich nach der Nordsee und nach meiner Familie. Ich möchte weg und in Freiheit leben. Aber ich wage es nicht auszubrechen. Ich werde bestimmt erwischt, wenn ich es wagte.

Der Tanzbär dagegen wird bestimmt nicht mehr lange hier sein, er wirkt immer so traurig. Zumindest wenn wir zusammen mit den Bällen für die Show üben. (Text Zoé, Bild Viki)


Mit einem Ruck bin ich wach. Mir fällt ein, dass wir heute Vorstellung haben. Ich mag es nicht. Ich mag den Zirkus nicht. Ich habe so ein kleines Terrarium, dass ich mich noch nicht mal der Länge hinlegen kann ohne mich zu stoßen. Na gut, ich bin drei Meter lang, aber Platz muss sein. In der Manege liege ich eingequetscht in einem Korb und muss mich schlängelnd heraus bewegen und das zu kitschigen Flötenmusik. Wie dumm  die Menschen sind! Ich habe gehört, dass ein Tier ausbrechen möchte. Bestimmt die Robbe, sie hat Sehnsucht nach der Nordsee. Huch, jetzt muss ich zur Vorstellung, die anderen warten schon auf mich. (Text und Bild von Feli)


Schon wieder so eine langweilige Stunde. Ich sitze hier rum und warte bis mein Mittagessen kommt. Ich starre auf den blöden Kaktus, der da herumsteht. Keine Ahnung warum.Oh nee, gleich muss ich in die Manege und gute Laune verbreiten, ich hab gar keine Lust meine lästigen Tiere zu führen und anzusagen. Aber es hilft nichts. Ich bin hier die Chefin. Ich habe das Kommando und ich werde die Leute gleich glücklich machen. (Text Aimee, Bild Viki)

Immer noch müde hebe den Kopf, warum muss ich noch mal im Zirkus sein? Stimmt ja, mich kann niemand überbieten mit meiner Show. Meine Kollegin und ich machen mit unserem Trainer Kunststücke.  Ich stehe auf und schleppe mich zum Futternapf. Mit meiner Schnauze im Futternapf hängend frage ich mich, warum die Menschen mir mein wunderbar fluffiges Fell abgeschnitten haben. Da kommt wer, gleich tragen sie mich wieder zum Zelt und es beginnt von Neuem…. (Text und Bild von Lucia)

Oh Mann, wann kommt das Futter endlich. Im Regenwald konnte ich es mir immer selber fangen. Ich war mit meinem gestreiften Fell super gut getarnt. Hier bekomme ich nur so mickriges zähes Fleisch, auf dem ich herumkauen kann. Manche Tiere fühlen sich hier wohl, sie sind faul und freuen sich, wenn ihnen alles vorgesetzt wird. Doch ich spüre meine Wildheit jeden Tag und möchte mit meinen Zähnen  lebendiges Fleisch zerreißen…. (Text und Bild Smilla)

Nach unserem Training motzte mich die Schlange an. Mit meinem riesigen grauen Ohren konnte ich sie zwar gut hören, aber ihr Gemecker stört mich. Ich bin doch nur beinah mit meinen kräftigen Beinen auf ihren Körper getreten. Das war doch keine Absicht.  In letzter Zeit ist sie so gereizt, will sie vielleicht ausbrechen? Na, das wäre ein Theater, wenn sie fehlen würde. So schmal wie sie sich machen kann, könnte sie gut irgendwo verschwinden. Mit meiner Größe wär das undenkbar… (Text und Bild Livia)

Meine Ohren spitzen sich, als unser Besitzer an mir vorbeiläuft. Ich fange an zu kläffen, was sicher lächerlich aussieht bei meiner Größe. Schon seltsam, wie die Menschen nicht merken, dass ich durch die meine Gitterstäbe passe.  Sogar der Käfig ist groß, hier bin ich sicher. Deshalb mag ich es im Zirkus, warum sollte ich weg? Ich kriege Futter und habe genügend Platz. In meinen Gedanken reise ich, wohin ich will. Ich bin freier als alle hier im Zirkus.  (Text und Bild Viki)

Die Kette schneidet mir jeden Tag etwas mehr in meinen dicken, braunen Pelz. Jeden Tag muss ich hinter den verrosteten Gitterstäben stehen. Wenn ich mal für eine Stunde raus darf, dann nur um auf dem harten Ball herumzutippeln und das mit einem pinken Röckchen um den Bauch. Wenn ich nicht will, pieksen sie mich mit einem Stock. Trotz Röckchen sieht man, wie abgemagert ich bin.  Meine Flucht habe ich schon lange geplant, ich halte es nicht mehr aus. … ich muss einfach fliehen, genau JETZT! Sie werden mich als letzten holen. Wenn sie die anderen Tiere ins Zelt bringen, werde ich es wagen. Ich bin so aufgeregt….endlich wieder in Freiheit leben. Dieser Gedanke gibt mir so eine Bärenkraft, dass es mir gelingen wird, die Ketten diesmal zu sprengen. Ich werde mit aller Wucht durch die morsche, angefressene Holzwand brechen und so schnell ich kann durch die Wälder streifen. Mann,  wie ich das vermisse! Jetzt gehen sie alle ins Zelt. Das ist meine Chance. (Text und Bilder Franka)