„So Kinder, setzt euch auf unser Sofa, ich erzähle euch eine Geschichte aus meiner Kindheit.“ Meine beiden Enkel hüpften mit voller vor Freude auf das große Sofa, das ich gekriegt habe als ich noch Mitte 30 war. „Erzähl schon, erzähl schon“, freuten sich die zwei. Also fing ich an ihnen ziemlichen Mist zu erzählen.

Und ich erzählte:

Also gut, als ich so alt war wie ihr, haben meine Eltern als Musiker gearbeitet. Da sie deshalb viel auf Reisen waren, und ich nicht mit konnte, weil die beiden die Konzerte manchmal bis 3 Uhr nachts spielten, musste ich bei meinen Großeltern übernachten. Und stellt euch vor, die hatten ein sehr verrücktes Hobby! „Welches?“, fragte mein Enkel Jonas. Mein Hobby war: Im Lotto gewinnen!! „Hä, ich dachte, wenn man im Lotto gewinnt dann hat man Glück, aber dauerhaft Glück haben geht doch garnicht!“

Stimmt! Das haben wir am Anfang auch alle gedacht, aber da haben wir uns wohl geirrt. Meine Großeltern waren deshalb reich, sehr reich. Sie besaßen einen Pool, der die Wärme wechseln konnte, mit einer Rutsche in den Pool, die 5 Meter lang war. Außerdem hatten sie eine Villa, die so groß war wie ein Fußballfeld! Dann hatten sie noch einen Diener, eine Putzfrau, einen Koch, einen Arzt und sogar einen Schwimmlehrer! Sie lebten sehr glücklich bis… „ Bis was?“, fragte diesmal meine Enkelin Lilli. Bis der Lottoladen schloss. Immerhin lebten wir ja von Lottogewinnen!

Da sagten meine Großeltern eines Morgens zu mir: „Liebe Ella, wir geben dir Geld und du fährst mit dem Zug in den nächsten Lotto laden, in der Nähe von München, ziehst eine Karte, zählst mit geschlossenen Augen bis vier, holst dir den Groß-Gewinn, fährst wieder zurück und wir kaufen dir dann alles was du möchtest! Ok? Wir können das nämlich nicht tun, weil wir diese Reise wahrscheinlich nicht mehr schaffen würden!“ „Ok“, antwortete ich damals und machte mich mit Spannung auf den Weg.

Ihr könnt euch wohl schon denken, ob ich gewonnen habe oder nicht?! Natürlich habe ich gewonnen! Und ob man es glaubt oder nicht, eine Woche später sollte ich nochmal in den Lotto Laden fahren und habe 1000$ gewonnen! Und noch eine Woche später habe ich sogar 100.000$  gewonnen!!!

Meine Großeltern waren sehr stolz auf mich, aber die Diener und Dienerinnen nicht, denn die bekamen nur ganz wenig vom Geld. Meine Oma behauptete aber, dass sie schließlich genug Lohn von der ganzen Arbeit bekamen. Mein Opa fand, dass sie selber gesagt haben, sie hätten so viel Spaß bei der Arbeit, sie würden nie mit diesem Job aufhören! Doch nach langem Streiten entschlossen sich die Diener aber zu gehen.

Meine Großeltern weinten, als sie sahen, dass ihre Lebens-Versorger mit mürrischen Gesichtern davon fuhren. 

Nach einiger Zeit, wurde dann auch der Pool schmutzig, die Rutsche wurde rostig, die Ecken in der Villa wurden mit Spinnweben überfüllt und wir hatten jeden Abend das gleiche Essen, weil Oma nur Nudeln kochen konnte. Das schlimmste aber war aber, dass sie nicht wegen den Medikamenten Bescheid wussten. Deshalb musste ich jeden zweiten Tag zum Doktor laufen und nach den richtigen Medikamenten fragen. Irgendwann wurde mir aber das “sich um meine Großeltern kümmern“ zu anstrengend und meine Eltern mussten mit den Musizieren aufhören und sich um meine Großeltern kümmern. Jetzt wo sie alle schon gestorben sind, denk ich jeden Abend an die danach noch glückliche Familie, an die Diener, die uns damals mit mürrischen Gesichtern verlassen haben und an den alten Lottoladen, der heute ein sehr teures Sportgeschäft ist.

Und ich beendete meine Geschichte: „So, jetzt geht aber schlafen, es ist schon spät!“

„Oma stimmt das eigentlich?“„Nur, dass ich meine Großeltern sehr gern hatte, und das mit dem Sport-Geschäft.“„Warum hast du uns das dann erzählt?“„Weil ich nicht möchte, dass euch genau das passiert!“

„Gute Nacht, ihr Kätzchen“.

Text und Bilder von Tonie