Vor ein paar Jahren sollte ich für die Schule eine Lügengeschichte schreiben: Selten freute ich mich mehr über eine Hausaufgabe, aber das versteht sicher jeder, der mich kennt. Also fing ich an zu schreiben und es machte mir so viel Spaß, dass ich direkt noch eine Geschichte geschrieben habe.

Ob ihr es glaubt oder nicht, ich schrieb ein ganzes Buch voller Lügengeschichten in nur einer Woche. Zwei Tage später kam ein Freund zu mir, er las das Buch und sagte mir, dass ich es doch ins Internet stellen solle. Am Anfang hatte mein Blog nicht so viele Klicks. Es mag unglaublich klingen, aber Marc-Uwe Kling postete bei Instagram: „Das Witzigste, was ich je gelesen habe! Das Känguru und ich lachen uns schlapp.“ Danach: zwei Millionen Klicks! 

Ich finde es selbst heute noch unglaublich, dass der Kölner Kiwi-Verlag mir eine Nachricht zukommen ließ, in der stand: „Wir würden uns sehr freuen, wenn wir in Zusammenarbeit kommen könnten! Ihr Buch würde berühmt werden können.“ Also willigte ich ein und mein Buch landete tatsächlich einen Bestseller. 

Natürlich wurde mein Buch in viele andere Sprachen übersetzt: Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch usw. Die Übersetzung ins Japanische war leider so schlecht, dass ich sie dann doch lieber selbst machte: Ging schnell, dauerte nur zwei Tage. 

Richtig leidgetan haben mir die Fans, die nachts vor der Buchhandlung geschlafen haben, weil sie mein neues Buch als erstes haben wollten. Die Schlange war sooo lang, dass im Kölner Stadtanzeiger stand: „Verkaufsstart um Mitternacht –  mehr los als am Rosenmontag!“ 

Was ich sehr verrückt fand: Fast alle Deutschschulbücher wurden umgeschrieben. In der Lektion „Lügengeschichten“ wurden meine gegen die von Münchhausen ausgetauscht. 

Das lag sicher auch daran, dass ich in nur einem Jahr alle wichtigen Literaturpreise weltweit erhielt. Nur einen Preis habe ich nicht angenommen: Den Nobelpreis für Literatur. Im gleichen Jahr hatte ich für meine naturwissenschaftliche Forschung den Chemie-Nobelpreis erhalten und ich fand es irgendwie nicht gerecht, zwei Nobelpreise auf einmal überreicht zu bekommen.

Eine andere Ehrung hatte mich sowieso mehr gefreut: Ein großer Platz in Köln wurde nach mir benannt!

Zur Zeit schreibe ich noch ein Buch in meiner Villa in Spanien – Titel: „Wie ich wegen einer Hausaufgabe weltberühmt wurde“. 

Jeden Tage schwimme ich in meinem Pool und schreibe an meinem Buch weiter. Langsam geht mir die ganze Fanpost auf die Nerven. Mein Briefkasten hält den Millionen Briefen nicht mehr stand. In ein paar Tagen begebe ich mich eh auf eine Welttournee.

von: Hanno Nühm