Ein Interview mit Malin, Tom, Matti und Flo.

Sie waren in den Osterferien und im Anschluss eine zusätzliche Woche unterwegs als Herausforderung. Die Sport-Studentin Anna  Jäger hat sie dabei begleitet. 

Was war eure Herausforderung?

Matti: Wir sind den Eifelsteig in 18 Tagen gelaufen, 313 Kilometer lang, das ist eine ganz schöne Strecke. Wir hatten mögliche dabei, Rucksäcke, Klamotten, was zu essen, das war nicht leicht. Der Eifelsteig ist bergig, so dass wir auch einige Höhenmeter steigen mussten. 

Tom: Ich würde als Herausforderung hinzufügen, dass wir uns drei Wochen lang zu fünft durchgehend immer gesehen haben und uns auch nicht richtig aus dem Weg gehen konnten. 

Malin: Die Herausforderung hat für mich schon begonnen seit dem Zeitpunkt, an dem wir überlegt haben, was wir machen. Es war herausfordernd, alles zu planen, wer nimmt was mit, wo machen wir das, das Geld, den Antrag schreiben

Wo hat alles angefangen? 

Malin: Wir sind mit dem Zug von Köln nach Aachen gefahren, von da an sind wir gewandert und unser Ziel war Trier. 

Wie seid ihr darauf gekommen, genau das als Herausforderung zu machen, den Eifelsteig zu wandern? 

Matti: Wir sind über Gereon darauf gekommen. Wir hatten Wandern im Blick, Paul hat uns gesagt, dass Gereon gerne wandert (beides Lehrer der Schule). Dann haben wir ihn gefragt, er hat uns ein paar Bücher empfohlen. Da war dann auch der Eifelsteig darunter. Wir haben das angeguckt, ob das für uns machbar wäre. 

Wie viele Kilometer seid ihr denn am Tag gewandert? 

Malin: Meist 18 Kilometer, einmal hatten wir auch 7 Kilometer und manchmal 23,5. 

Wie habt ihr euch vorbereitet?

Malin: Wir haben schon mal Tageswanderungen gemacht, sind aber nicht so lange unterwegs gewesen vorher, keine Übernachtungen mit Zelt. 

Matti: Ich hab das als einziger schon mal gemacht mit dem Zelt auf den Rücken, weil ich bei den Pfadfindern war. Da sind wir schon mal eine Woche durch die Dolomiten gelaufen.

Tom: Wir haben eine Probewanderung gemacht, hatten da aber nur 14 Kilo auf dem Rücken. 

Malin: Und wir haben das Zelt aufgebaut und haben mit dem Campingkocher gekocht.

Wie war das Wetter bei euch auf dem Eifelsteig? 

Malin: Wir hatten extrem Glück mit dem Wetter. Ich hab meine Regenponcho nicht gebraucht. Wir hatten manchmal nachts Regen, aber da haben wir zum Glück in Gemeindehäusern übernachtet. Ansonsten hat es nur zweimal kurz am Tag geregnet. Wir hatten auch eine Woche, da war es super heiß, das war die erste Woche. 

Tom: Wenn man dann den ganzen Tag in der prallen Sonne laufen muss mit dem Rucksack auf dem Rücken von 20 Kilo, das ist schon anstrengend.

Und wie habt ihr euch auf die Übernachtungen eingestellt? Wie habt ihr das geplant?

Flo: Geplant? (Gelächter) Geplant haben wir eigentlich nicht so. Wir haben uns schon ungefähr überlegt, wo wir wann ankommen, dass wir jeden Tag in einer Stadt ankommen.

Malin: Eher auf dem Dorf.

Flo: Dann haben wir spontan geguckt, wo wir übernachten, entweder auf einem Campingplatz oder wir haben in Gemeindehäusern gefragt, ob wir da übernachten können oder bei Leuten gefragt, ob wir bei denen im Garten zelten können. 

Und wie war das genau, wenn ihr im Ort angekommen seid, wie müssen wir uns das vorstellen? 

Tom:  Wir haben uns tatsächlich immer zuerst nach einer Kirche umgeguckt, weil es ist schon luxeriös in einem Raum drinne zu schlafen. Das war schon gut. Und wenn nicht, dann sind wir durch das Dorf gelaufen und haben an jeder Haustür geklingelt und gefragt: Gibt es hier einen Garten, in dem wir schlafen können? 

Malin: Oder ein Wohnzimmer…..

Tom: Und in Monschau sind wir fast eine Stunde durch das Dorf gelaufen und haben nur an Häusern geklingelt. 

Flo: Nachdem wir schon den ganzen Tag gewandert sind..

Hattet ihr von der Schule eine Bescheinigung dabei, um zu erklären, warum ihr unterwegs seid?

Malin: Wir hatten eine dabei, Anna hatte die mit, aber wir haben das nicht ein Mal gebraucht. Wir hatten oft unser Herausforderungs-T-Shirt an. Alle Leute, denen wir begegnet sind, waren super nett, keiner hat gesagt „Tschüß“ und Tür zu..

Tom: Der eine Mann stand vor seinem Haus, wir haben gefragt, ob wir unser Wasser auffüllen können, der hat gesagt: „Nein“ und schickte uns weg. 

Flo: Ich glaub, der hat nicht verstanden, was wir wollten…

Malin: Aber sonst hat uns keiner abgewiesen…

Tom: Besonders nett war Herbert Käfer aus Gmünd, der war Pfarrer und ist mit der Organisation „Misereor“ durch die Welt gereist und hat Kindern geholfen, in Brasilien, Afrika, Indien.

Gruppenfoto mit Herbert Käfer und links Anna

Matti: Er hat uns sehr spannende und beeindruckende Geschichten erzählt. 

Malin: Ja,  er hat uns auch aus seiner Kindheit erzählt, von seinem Leben, das war sehr interessant. Und am Morgen haben wir mit ihm seinen Kräuterquark gegessen. Die Kräuter pflückt er sich aus seinem Garten und den Quark isst er jeden Morgen. Und wir haben von ihm einen Schutzengel aus Holz geschenkt bekommen, den haben wir immer noch. Und er hat uns auch eine Pizza spendiert. 

Tom: Eine Pommes Bude hat uns auch einfach Pommes spendiert, die hieß „Onkel Tom“, das war auch in Gmünd. 

Malin: Sehr nett waren auch Harry und Simone in Hillesheim. Wir sind da abends angekommen und die haben uns erst mal einen Picknickkorb mit Cola, Chips, Schokolade und was weiß ich alles gegeben. Wir durften bei ihnen im Garten schlafen und dann haben wir Wraps gegessen. Sie haben uns auch angeboten, dass sie unsere Rücksäcke eine Etappe mit dem Auto fahren, so dass wir mal ohne Rucksäcke wandern konnten. Das waren sehr nette Menschen, denen haben wir auch viel erzählt. Und Musik konnten wir hören…. Da merkt man erst mal, was man hier immer so alles hat. 

Matti: Da merkt man erst mal wie krass man hier im Luxus lebt. 

Malin: Selbst Wasser ist nicht selbstverständlich. Wir haben einmal mit Bachwasser gekocht, weil wir kein Wasser hatten, wir waren nicht nah genug an Häusern dran. 

Habt ihr unterwegs noch anderes vermisst oder war es auch cool mal ohne zu sein?

Matti: So ein Bett ist schon cool. 

Tom: Aber Luftmatratzen sind auch ok. Und mit Schlafsäcken kann man einfach überall schlafen. 

Malin: Selbst in der Kirche! (Gelächter)

Tom: Und vor einem Supermarkt!

Malin: Das Alltägliche, eine Toilette, man muss gucken, wann das nächste Dorf kommt, laufendes Wasser, duschen. Viele Sachen, die sonst selbstverständlich sind, hat man dann halt nicht. 

Flo: Ich finde, unterwegs war das fast schon so sehr Alltag. Ich habe erst als ich wieder hier war gemerkt, wie krass das ist, dass wir immer alles haben. 

Malin: Was ich bei mir voll erstaunlich fand, ich hab kein einziges Mal mein Handy vermisst. Selbst als ich an meine Eltern gedacht habe, habe ich nicht gedacht: „Boa, ich hätte jetzt gerne meine Handy oder ich möchte mit jemandem schreiben!“ Ich hab es nicht gebraucht. 

Tom: Ja, daran gewöhnt man sich auch. 

Matti: Für mich ist es einfacher, nicht ans Handy zu denken, wenn man was zu tun  hat. 

Tom : Und wir hatten immer was zu tun.

Malin: Wir haben abends Karten gespielt, das machen wir jetzt nicht mehr so oft. Ich fand das sehr schön ohne Handy. Es macht nämlich viel mehr Spaß gemeinsam Karten zu spielen. 

Wie war die Geschichte mit den Pfadfindern?

Matti: Ich kannte die sogar, die waren in meinem Bund. Es war witzig, die zu treffen. Das war am Tag, an dem wir am längsten gelaufen sind, 23,5 Kilometer, es war schon dunkel. Wir konnten sie leicht erkennen, wegen dem Feuer, an dem sie saßen. Wir konnten bei denen mitessen, wir haben mit ihnen am Feuer gesessen und uns unterhalten. Wir haben erzählt, was wir so tun, wir haben auch sehr gute Musik gehört, die hatten ihr Radio dabei. 

Seid ihr froh über die Erfahrung der Herausforderung oder hättet ihr auch drauf verzichten können?

Alle: Wir sind total froh, das gemacht zu haben. 

Malin: Dort musste man über Grenzen gehen, die man hier nicht so überschreiten würde. Das waren schon krasse Erfahrungen. 

Tom: Und auch sehr schöne Erfahrungen, die Menschen waren sehr, sehr nett.

Matti: Und sehr schön.

Tom: Das war toll, als wir am vorletzten Tag plötzlich Trier vor uns gesehen haben, nachdem wir da drei Wochen hin gelaufen sind. Dann haben wir da geschlafen mit Sonnenuntergang. 

Flo: Das war überwältigend, plötzlich sieht man das Ziel: Trier. Die Stadt kam uns so riesig vor, nachdem wir vorher nur in Dörfern waren. 

Malin: Ich fand das auch toll, wie wir als Gruppe funktioniert haben.  Wir haben es immer geschafft eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden und uns was zu essen zu besorgen. 

Matti: Ich fand am schönsten die Ausblicke in der Natur, wenn man auf eine Bergkuppe kommt oder um die Ecke und plötzlich was Schönes sieht, ein Tal zum Beispiel. Wir waren ja den ganzen Tag in der Natur. 

Malin: Ja , abends das schöne Licht…

Tom: Wir haben ja auch einmal draußen geschlafen bei einer Hütte, da hatten wir einen tollen Sternenhimmel. So was sieht man in Köln sonst nie, denn wir waren auf einem Berg und um uns herum war es ganz dunkel. 

Wie war es mit eurer Begleiterin Anna?

Alle: Anna war toll.

Malin: Sie hatte ja bestimmte Vorgaben, was sie machen darf, was nicht. Das hat sie sehr gut gemacht. Wir haben uns sehr gut mit ihr verstanden, wir konnten auch tiefe Gespräche mit ihr führen. 

Was würdet ihr Schülern raten, die nächstes Jahr auf Herausforderung gehen? 

Matti: Guckt auf eurer Gepäck. Weniger ist mehr.

Tom: Keine Klamotten mitnehmen (Gelächter). 

Malin: Auf gar keinen Fall 20 Kilo, das ist viel zu schwer. 

Tom: Es ist gut, wenn man eine coole Gruppe hat, weil….dann hat man eine coole Gruppe. 

Malin: Vielleicht auch weniger Zelte mitnehmen, weniger Campingkocher vielleicht, irgendwie Gewicht sparen. Trotzdem aber gut ausgestattet sein. Ein zweites Notfalltelefon ist schon gut, falls das eine kaputt ist. Aber keine Smartphones, sondern einfach Telefone. 

Tom: Sich möglichst bald an die Vorbereitung begeben. Und sich grobe Pläne machen, was man vor hat, wenn man abends im Dorf ankommt. Denn am ersten Tag hatten wir keinen Plan, was wir machen sollen. 

Malin: Wir haben einen Bauern gefragt, ob wir auf seiner Wiese schlafen können. Dann kam der Pfarrer und meinte: „Ich nehm die mit.“ Und so konnten wir dann direkt in einem Gemeindehaus schlafen und das haben wir dann auch wo anders immer erst mal gemacht, immer erst mal zur Kirche.

Tom: Und nicht zu spät am Tag loswandern. Am ersten Tag sind wir erst um 11:30 Uhr losgezogen und sind erst um 20 Uhr am Ziel angekommen, es hatte nichts mehr offen, die Menschen sind nicht mehr so gastfreundlich um die Uhrzeit. Erst um 21:30 Uhr haben wir noch was gefunden, ein Campingplatz, da war keiner mehr, wir haben trotzdem erst mal da übernachtet. Aber wir haben daraus gelernt. 

Malin: Es ist wichtig ein Ziel zu haben am Tag und das auch zu planen. 

Matti: Und das auch durchzuziehen. 

Nehmt ihr ein positives Gefühl mit, dass man immer durchkommt, dass Leute nett sind oder eher doch nicht? 

Tom: Man denkt schon, dass Menschen nett sind. Vor allem die Dorfmenschen. 

Matti: Und die Waldmenschen… (Gelächter)

Malin: Hier in Köln ist das wieder was anderes, ich glaub, hier findet man nicht so schnell welche, die einen im Garten schlafen lassen. Aber da in der Eifel schon. Aber es lohnt sich immer zu fragen. Eigentlich wollen die Menschen immer nur helfen. Und man kann das ruhig mal annehmen. 

Tom: Das mit dem Annehmen hat zu sehr lustigen Situationen geführt. Manche von uns wollten einfach nicht annehmen, was die Leute ihnen angeboten haben und manche hatten gar keine Hemmungen das anzunehmen, haben sich alles gegönnt, was es zu holen gab (Gelächter). 

Malin: Die würden uns das ja nicht anbieten, wenn sie es nicht wollen. Wir haben auch einmal 50 Euro gespendet bekommen. Einmal klingelten wir irgendwo und fragten, ob wir auf Toilette gehen dürfen. Wir haben erklärt, was wir machen und  dass wir Wanderer auf dem Eifelsteig sind,  da fragte der Mann uns:  „Dürfte ich euch eine kleine Spende geben?“

Tom: Und Matti sagte sofort: Ja! 

Matti: Ja, warum denn nicht?

Gab es ein auch unangenehme Ereignisse?

Malin: Ich hab mir den Fuß verstaucht und wollte nicht einsehen, dass es immer schlimmer wird mit dem Schmerz. Anna sagte dann, dass wir ins Krankenhaus müssen. Ein Pfarrer hat uns dann netterweise ins  Krankenhaus gefahren. Der Arzt sagte, ich müsste eine Woche den Fuß schonen. Ich dachte: Jetzt ist es vorbei! Da ging mir so viel durch den Kopf, damit konnte ich gar nicht leben. Anna wollte mich direkt nach Hause schicken. Ich wollte das nicht einsehen. Ich hab mir sofort Gedanken gemacht, wie ich trotzdem bei den anderen bleiben kann. Die Idee war: Ich fahre mit Flo mit dem Bus und die anderen wandern. Das musste mit dem Schulleiter, unserem Klassenlehrer und meinen Eltern abgesprochen werden, ob das überhaupt geht. Das ging dann aber. Wir sind drei Tage mit dem Bus gefahren. Wir haben dann immer schon nach einer Schlafmöglichkeit geguckt, wenn die anderen kamen, hatten wir schon was. 

Tom: Ich hätte auch gesagt, dass das das Schlimmste war, aber toll war, dass wir uns zusammen hingesetzt haben. Es war schön, dass wir uns als Gruppe dafür entschieden haben, dass Malin bei uns bleibt. Wir hatten noch keinen Lösungsvorschlag, aber wir wollten sie nicht nach Hause schicken. 

Malin: Das war für mich so schön, dass die anderen das gesagt haben, dass ich bei ihnen bleiben soll. Das war toll. Da ging es mir direkt besser. Und was lernen wir darauf? Gruppenzusammenhalt ist das Wichtigste.

Die Begleiterin Anna Jäger hat bei uns zuvor ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht und eine spezielle Ausbildung als Begleiterin absolviert.

Interview: Brigitte

Fotos: Die Gruppe